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DPSG Rottenburg-Stuttgart

Bundesversammlung 2026

vor 1 Monat

Zwischen 03. und 07. Juni tagte die 94. Bundesversammlung in Essen. Knapp 100 Delegierte und circa 50 Gäste haben sich viereinhalb Tage versammelt. Dabei wurden Berichte entgegengenommen, ein Studienteil zur Aufarbeitung von sexualisierter und spiritueller Gewalt in der DPSG abgehalten, 22 Anträge diskutiert, eine Strategie für die nächsten fünf Jahre beschlossen, Gottesdienst mit Totengedenken gefeiert, eine neue Bundesvorsitzende gewählt und eine scheidende verabschiedet. Über die wichtigsten Entscheidungen folgen einzelne Punkte.

Luise Klingler aus Weil der Stadt folgt auf Annkathrin Meyer als Bundesvorsitzende

Es ist schon einige Jahre her, dass der DV Rottenburg-Stuttgart eine*n Bundesvorsitzende*n gestellt hat. Ab Oktober 2026 ist es wieder soweit. Im ersten Wahlgang setzte sich die 21-jährige Weil der Städterin klar gegen ihre Mitbewerberin aus Frankfurt durch und erreichte 69 von 98 Stimmen. Wir freuen uns sehr, dass Luise sich dieser Verantwortung für unseren Verband stellt, gratulieren ihr ganz herzlich und freuen uns auf die Zusammenarbeit.

Die noch amtierende Vorsitzende Annkathrin Meyer stand nach zwei Amtszeiten nicht wieder zur Wahl. Obwohl Annka noch bis zu Luises Amtsantritt im Amt bleibt, wurde sie am Samstag der Bundesversammlung 2026 von den Delegierten und vielen Weggefährt*innen verabschiedet. Wir danken Annka für ihr Engagement für die DPSG in den letzten sechs Jahren, für das Gemeinsame ringen um die besten Entscheidungen und ihren Einsatz für mehr Mitbestimmung und den kritischen Blick auf eingefahrene Strukturen

Meine Stimme, mein Verband!

Seit knapp 2 Jahren hat ein Team eine Strategie für den Verband entwickelt. Aus vielen Beteiligungsformaten und Gesprächen entstanden zunächst fünf Ideen. Diese wurden dann auf drei, später auf zwei und am Ende auf eine Strategie reduziert. Diese letzte Strategie wurde dann weiter ausgearbeitet und der Bundesversammlung zur Beschlussfassung vorgelegt. Diese wurde mit 79 Ja-Stimmen, 18 Gegenstimmen und 2 Enthaltungen angenommen.
Die Strategie „Meine Stimme, mein Verband!“ gliedert sich in 5 Handlungsfelder, die die Demokratie im Verband und die Sprachfähigkeit in die Gesellschaft hinein stärken wollen:
1. Meine Rechte – meine Stimme. Kinderrechte kennen. Selbstbewusst handeln
2. Talk, talk, talk. Räume für gelebte Debattenkultur – Auf allen Ebenen Netzwerke & Umfeld mitgestalten
3. Demokratiewerkstatt Leitendenausbildung zur Demokratieförderung
4. Mitbestimmung unter der Lupe – DPSG-Strukturen evaluieren & erneuern
5. Aufbau von strukturschwachen Regionen (dem Rechtsruck entgegen)

Jahresaktion ade

Mit der Zustimmung von 87 Delegierten gegen 6 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen wurde die Jahresaktion nach 60 Jahren eingestellt. In der Begründung heißt es: „Seit 2024 bestand die Konzeptgruppe Jahresaktion. Diese Gruppe hat in den letzten anderthalb Jahren mehrere Umfragen durchgeführt und ist nach Auswertung dieser zu dem Entschluss gekommen, dass eine Erstellung eines eigenen, neben der Strategie der DPSG stehenden Konzeptes zur inhaltlichen Arbeit für den Verband nicht notwendig ist, sondern die Ergebnisse und Überlegungen der Konzeptgruppe Jahresaktion in die zu beschließende Strategie und in die Reflexion und Veränderungsschleife des Strategiekonzeptes mit eingebracht werden. So sollen die Gruppierungen auch weiterhin die Möglichkeit haben, zu einem zentralen Thema mit Hilfe von Methoden und Handreichungen zu arbeiten.“ (Begründung der Antragsstellenden). Wir hoffen und gehen davon aus, dass Pfadfinder*innen auf allen Ebenen nun im Rahmen der Strategie mit flinken Händen und flinken Füßen die Welt gestalten.

0,0 ‰ auf der Bundesversammlung

Die Aufarbeitungsstudie hat uns blinde Flecken innerhalb unserer Strukturen gezeigt. Ein blinder Fleck ist die Tatsache, dass viele Grenzverletzungen und Übergriffe unter Alkoholeinfluss geschehen. Um als Vorbild voranzugehen hat sich die Versammlung verpflichtet, dass die 95. Bundesversammlung ohne Alkohol stattfinden wird.

Neuer Mitgliedsbeitrag

Nachdem der Mitgliedsbeitrag der DPSG seit 2012 konstant war, war nun eine deutliche Anpassung notwendig. Ab dem 01.01.2027 wird der reguläre Bundesbeitrag auf 55 Euro/Jahr/Mitglied und der Familienbeitrag auf 36,70 Euro (bzw. 2/3 des regulären Beitrags) pro Jahr und Mitglied festgesetzt. Der ermäßigte Beitrag (für Mitglieder in finanziell herausfordernden Situationen) bleibt unverändert bei 13,80 Euro.

„Kluftpreisbremse“

Aus dem Antragstext: „Als DPSG setzen wir uns für fairen und nachhaltig ökologischen Handel, für faire und nachhaltig produzierte Produkte und bezahl- und leistbares Pfadfinden für alle ein. Das schließt für uns auch die Herstellung, den Vertrieb, den Verkauf und den Erwerb von Kluft, Halstüchern und Aufnähern mit ein, da sie zur Grundausstattung aller Pfadfinder*innen in der DPSG gehören.“
Der Bundesvorstand setzt sich in den entsprechenden Gremien dafür ein, dass die Rüsthaus GmbH & Co. KG weiterhin die im Rüsthaus gehandelten Kluften, Stufenhalstücher, Halstuchknoten und die in der Kluft-Ordnung der DPSG benannten Aufnäher … zu einem für alle Beteiligten fairen Preis verkauft … . Der Bundesvorstand soll gemeinsam mit der Geschäftsführung der Rüsthaus GmbH & Co.KG prüfen, inwiefern die bisherigen Preise zu weiterhin fairen und nachhaltigen Bedingungen angepasst und reduziert werden können. (Zum Antragstext)

Aufarbeitung sexualisierter und spiritueller Gewalt in der DPSG: Leid anerkennen, Verantwortung übernehmen, Zukunft gestalten

Sehr ausführlich hat sich die Bundesversammlung mit den Ergebnissen und notwendigen Konsequenzen der Aufarbeitung beschäftigt und eine Positionierung für die weitere Aufarbeitung verabschiedet. Die ausführliche Position findet ihr im Antragstext.

Solidarität mit dem DV Magdeburg

Einstimmig haben sich die Mitglieder der Bundesversammlung mit dem DV Magdeburg solidarisiert, sollte es nach der Landtagswahl im September zu einer AfD-geführten Landesregierung in Sachsen-Anhalt kommen. Aktuell wäre in diesem Fall zu befürchten, dass dem kleinen DV damit wichtige Landeszuschüsse wegbrechen, die die Arbeit der DPSG in Sachsen-Anhalt und Sachsen erschweren oder gar unmöglich machen würden.
Andere wichtige Entscheidungen wurden in die Ausschüsse delegiert oder auf die 95. Bundesversammlung vertagt, die Christi Himmelfahrt 2027 auf Rügen tagen wird – man fragt sich, ob das die Rache für Garmisch-Partenkirchen 2025 ist.

Text: Gerold Traub

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